Qualzucht

Unter Qualzucht versteht man, wenn bei der Zucht von Tieren Merkmale geduldet oder gar gefördert werden, die für die Tiere mit Schmerzen, Leiden, Schäden oder Verhaltensstörungen verbunden sind. Die Tierschutzverordnung verbietet solche Zuchten. Tiere mit eingeschränkten Organ- und Sinnesfunktionen oder mit Abweichungen vom arttypischen Verhalten dürfen nur dann gezüchtet werden, wenn diese Veränderungen ohne das Tier belastende Massnahmen bei Pflege, Haltung oder Fütterung, ohne Eingriffe am Tier und ohne regelmässige medizinische Pflegemassnahmen kompensiert werden können.

Die Umsetzung und der Vollzug dieser seit 2008 geltenden Vorgaben stehen ganz am Anfang, da die Grenzziehung oft schwierig ist.

Beispiele von Qualzucht

Mops und französische Bulldogge: Die Kurzköpfigkeit geht einher mit Verengungen im Nasen-Rachenraum, was zu Atemproblemen führt und sich auf die Gesundheit der Tiere auswirkt. Die Gebissstellung sowie die übergrossen Zähne führen zu Problemen bei der Nahrungsaufnahme und die Faltenbildung hat Hautprobleme zur Folge. In vielen Fällen sind chirurgische Korrekturen nötig. Sie können dem einzelnen Hund Erleichterung verschaffen, lösen jedoch das Tierschutzproblem nicht.

Nacktkatze: Haarlosen Tieren fehlt ein wichtiger mechanischer Schutz. Sie verletzen sich leichter als behaarte Artgenossen. Sie sind auch anfälliger für Sonnenbrand. Zudem müssen sie viel mehr Wärme produzieren und entsprechend mehr Nahrung zu sich nehmen. Den Nacktkatzen fehlen oftmals auch die Tasthaare. Dadurch wird die Orientierung erschwert, ganz besonders im Dunkeln. Auch die Kommunikation mit anderen Tieren wird beeinträchtigt.

«Silkback» oder «Leatherback» (Bartagame): Hierbei handelt es sich um Tiere mit veränderter Hautstruktur. Die komplette Schuppenlosigkeit wird als Silkback bezeichnet, die züchterische Vorstufe mit deutlich kleineren Schuppen als gewöhnlich heisst Leatherback. Schuppen sind für die Tiere jedoch von grosser Bedeutung. Sie schützen das Tier erstens vor Verletzungen, zweitens vor UV-Strahlen und drittens vor Austrocknung. Fehlende oder zu kleine Schuppen führen bei den Tieren zu Leiden. Als Wechselwarmblüter müssen Bartagamen regelmässig Sonnenplätze nutzen, um ihren Wärmehaushalt zu regulieren. Wegen des fehlenden UV-Schutzes können sie dabei schwere Sonnenbrände erleiden. Sehr häufig kommen Häutungsprobleme hinzu. Auch in der Kommunikation mit Artgenossen sind sie eingeschränkt, da sie beispielsweise keinen Bart mehr haben, den sie aufstellen können.