Newsletter für Tierärztinnen und Tierärzte

Der Newsletter erscheint in loser Folge und informiert über das aktuelle Seuchengeschehen, die Tierarzneimittelabgabe und -verschreibung sowie Berufsausübungsbewilligungen.

Korrigendum zum Bezug von Human-Arzneimitteln zum Eigengebrauch - Newsletter 02/2019 vom 2. April 2019

Korrigendum zum Bezug von Human-Arzneimitteln zum Eigengebrauch
Ersetzt den Newsletter für Tierärztinnen und Tierärzte 05/2018 vom 4. April 2018


Der Pharma-Grosshandel wird seit einiger Zeit im Rahmen der Grosshandelsinspektionen viel strenger kontrolliert als früher. Die Firmen müssen heute sehr genau belegen, welcher Abgabestelle sie welche Mengen welcher Arzneimittel liefern.

Tierärztinnen und -ärzte sind nicht als Fachpersonen für die Verschreibung und Abgabe von Arzneimitteln an Menschen qualifiziert und können die Verantwortung dafür nicht übernehmen. Umgekehrt würden Sie es auch nicht goutieren, wenn die Kolleginnen und Kollegen aus der Humanmedizin Tiere medizinieren würden. Da die Berufsausübung nur im Rahmen der erworbenen Kompetenzen (Art. 10 MedBG (Medizinalberufegesetz, SR 811.11) erfolgen darf, sind Tierärztinnen und Tierärzte nicht befugt, Arzneimittel für Menschen zu verschreiben oder abzugeben. Folglich dürfen sie keine solchen im Grosshandel beziehen – auch nicht über die eigene tierärztliche Privatapotheke.

Eigengebrauch1
Tierärzte können grundsätzlich keinen «Eigengebrauch» geltend machen und Arzneimittel der Abgabekategorien A und B in einer öffentlichen Apotheke beziehen, da diese Möglichkeit vom Gesetzgeber nicht vorgesehen ist. Eine Apotheke kann aber einer Tierärztin oder einem Tierarzt gegen Vorlage des Berufsausweises für sie oder ihn bestimmte, rezeptpflichtige Arzneimittel ohne Rezept2 abgeben. Der Entscheid über eine solche Abgabe liegt jedoch einzig bei der zuständigen Apothekerin bzw. beim zuständigen Apotheker. Auf diesem Weg bezogene Arzneimittel dürfen nur von der jeweiligen Tierärztin oder vom jeweiligen Tierarzt für sich selber verwendet werden und nicht ans familiäre Umfeld, die Praxis-Mitarbeitenden, Freunde und Bekannte weitergegeben oder verkauft werden.

Umgewidmete Humanarzneimittel
Bei Humanarzneimitteln, die zur Anwendung bei einem Tier umgewidmet werden, ist ein direkter Bezug aus dem Grosshandel zulässig. Die Schweizer Arzneimittel-Grosshändler, welche umgewidmete Humanarzneimittel auch an Tierarztpraxen liefern, sind sich der Rechtslage betreffend Bezug von Arzneimitteln für Menschen bewusst und setzen diese um.

Rechtsgrundlagen:
1 Der Begriff «Eigengebrauch» kommt im Heilmittelrecht nur in Art. 48 der Arzneimittelbewilligungsverordnung (AMBV, SR 812.212.1) im Zusammenhang mit der Einfuhr nicht zugelassener verwendungsfertiger Arzneimittel durch Einzelpersonen vor, wird dort aber nicht weiter ausgeführt.
2 Abgabe von Arzneimitteln ohne Rezept im Sinne von § 12 HMV bzw. Art. 24 HMG.