Newsletter für Tierärztinnen und Tierärzte

Der Newsletter erscheint in loser Folge und informiert über das aktuelle Seuchengeschehen, die Tierarzneimittelabgabe und -verschreibung sowie Berufsausübungsbewilligungen.

Absetzfristen und Freigabedatum richtig bestimmen - Newsletter 05/2019 vom 28. Mai 2019

Absetzfristen und Freigabedatum richtig bestimmen
Wenn Nutztiere mit Arzneimitteln behandelt werden, besteht die Gefahr, dass sich Rückstände davon in Lebensmitteln wiederfinden. Deshalb wird für jedes Arzneimittel eine individuelle Absetzfrist vorgeschrieben. Wird diese eingehalten, reduziert sich das Risiko, dass die festgelegte Höchstkonzentration des entsprechenden Wirkstoffs im Lebensmittel überschritten wird, auf ein Minimum.

Wird ein Tier im Schlachthof angeliefert, ist es essenziell, dass die Absetzfrist richtig berechnet und somit ein korrektes Freigabedatum im Begleitdokument eingetragen ist. Denn erst am Freigabedatum darf das Tier geschlachtet werden. Stimmen die Angaben im Begleitdokument nicht, ist das Fleisch nicht ohne Weiteres verkehrsfähig, schlimmstenfalls ist es gar zu entsorgen.

Berechnungsanleitung
Wie berechnet man das Freigabedatum, das gleichbedeutend ist mit dem frühestmöglichen Schlachttermin? Das Institut für Veterinärpharmakologie und toxikologie bietet Hand und stellt einen Freigabedatumsrechner zur Verfügung. Um ihn zu nutzen, tragen Sie im Suchfeld des Tierarzneimittel Kompendium der Schweiz den Namen des gewünschten Arzneimittels ein und klicken auf «Suchen». Jetzt werden die dazugehörenden Arzneimittelangaben angezeigt. Wählen Sie den Link «Absetzfristen» an, worauf eine solche Berechnungs-Tabelle erscheint:

Berechnungstabelle für Absetzfristen

(Abbildung: Rechenbeispiel für Rifen 10% ad us. vet., Injektionslösung mit Datum der letzten Applikation am 28. Mai 2019)

Unter der Tabelle können Sie das Datum der letzten Arzneimittelgabe (Applikationsdatum) eintragen und die Berechnung starten. Der Rechner zeigt für die einzelnen Tierarten sowie für die tierischen Lebensmittel das jeweilige Freigabedatum an.

Begriffserklärungen
Absetzfrist: Die Absetzfrist ist die Zeitspanne, die nach der letzten Anwendung des Tierarzneimittels bis zu einer allfälligen Schlachtung respektive Gewinnung des tierischen Lebensmittels (z. B. Fleisch, Organe, Milch, Eier) einzuhalten ist. Für Biobetriebe ist sie doppelt so hoch wie für konventionelle Betriebe. Die Absetzfrist kann nur in Tagen festgehalten werden.
Freigabedatum: Das Freigabedatum legt fest, ab welchem Datum vom Nutztier Produkte gewonnen und für den Verkauf oder Konsum freigegeben werden können.

Dokumentationspflicht
Die Tierarzneimittelverordnung (TAMV) hält in den Artikeln 26 und 28 die Dokumentationspflicht über Tierarzneimittel fest. Beispielsweise muss über verschreibungspflichtige Tierarzneimittel sowie Tierarzneimittel, für die eine Absetzfrist eingehalten werden muss, Buch geführt werden. Im Behandlungsjournal sind dabei u. a. die Daten der ersten und letzten Anwendung, die Absetzfristen sowie die Daten der Freigabe der verschiedenen vom Nutztier gewonnenen Lebensmittel einzutragen. Gestützt auf das Behandlungsjournal füllt der Tierhalter das Begleitdokument für ein Schlachttier aus. Er nennt Arzneimittel und Absetzfrist(en) oder legt das Behandlungsjournal bei, wenn ein Tier trotz laufender Absetzfrist ausnahmsweise und nach Rücksprache mit dem Fleischkontrolleur geschlachtet werden soll.